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  • AutorenbildEmre Can Anlar

Zwölf Jahre Vertrag von Vaals: Dr. Andreas Pfeiffer über die Evolution der E-Roaming Services in Europa

In unserer Rubrik "Hinter den Kulissen" werfen wir heute einen Blick auf die Entwicklungen des E-Roaming in der Elektromobilität. Anlässlich des 12. Jahrestages der Unterzeichnung des Vertrags von Vaals, einem wichtigen Startpunkt für die Entwicklung in diesem Bereich, sprechen wir mit Dr. Andreas Pfeiffer. Dr. Pfeiffer, ist einer der Pioniere auf dem Gebiet, spielte eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der frühen Tage der E-Mobilitätsinfrastruktur in Europa und wirft einen Rück- und Ausblick auf die Entwicklungen, Herausforderungen und Erfolge in diesem dynamischen Sektor.


Treaty of Vaals im März 2012 als Startpunkt der E-Roaming in Europa
Treaty of Vaals im März 2012 als Startpunkt der E-Roaming in Europa

Vor zwölf Jahren wurde der Vertrag von Vaals unterzeichnet, ein Meilenstein für die Interoperabilität in der e-Mobilität in Europa. Könnten Sie uns ein wenig darüber erzählen, wie es damals zu dieser Initiative kam?

Dr. Pfeiffer: Die Initiative für den Vertrag von Vaals entstand aus der Erkenntnis, dass e-Mobilität keine Grenzen kennen sollte. Schon früh wurde uns klar, dass der Erfolg der Elektromobilität von einer länderübergreifenden Zusammenarbeit abhängt. Damals, im Jahr 2012, setzten wir mit unseren Partnern aus sechs Ländern den ersten Schritt, um ein einheitliches, grenzüberschreitendes Ladenetzwerk zu schaffen.

 

Dr. Pfeiffer, Sie haben maßgeblich am Vertrag von Vaals mitgewirkt, ein Meilenstein für die Interoperabilität im Bereich der E-Mobilität in Europa. Was bedeutet dieses Jubiläum für Sie persönlich?

Dr. Andreas Pfeiffer: Das Jubiläum ist für mich ein Moment des Innehaltens und der Freude darüber, wie weit wir gekommen sind. Die Unterzeichnung des Vertrags von Vaals und die Einführung von e-clearing.net als technische Grundlage für das Roaming waren echte Pionierarbeiten. Es zeigt, dass visionäres Denken und grenzüberschreitende Zusammenarbeit den Grundstein für nachhaltige Innovationen legen können.

 

Was waren die größten Herausforderungen in den Anfangstagen der Interoperabilität und wie wurden diese bewältigt?

Dr. Pfeiffer: Eine der größten Herausforderungen war sicherlich die technische Umsetzung der Interoperabilität. Wir mussten eine gemeinsame Sprache zwischen unterschiedlichen Ladesystemen und Betreibern finden. Mit der Entwicklung von e-clearing.net haben wir eine solide technische Grundlage geschaffen, die es ermöglichte, Daten und Informationen nahtlos zwischen den Betreibern auszutauschen.

 

Welche Rolle spielen Sicherheitsaspekte in diesem System, und gibt es etwas, das Sie rückblickend anders gemacht hätten?

Dr. Pfeiffer: Rückblickend hätte der Fokus auf "Built-In Security" stärker ausfallen sollen. In den Anfangstagen war uns die Bedeutung der Sicherheit zwar bewusst, doch die Tiefe und Komplexität, die für ein System erforderlich sind, das von Anfang an als kritische Infrastruktur topgesichert ist, haben wir unterschätzt. Insbesondere das Thema RFID-Karte wurde zu locker betrachtet und nicht zu Ende gedacht. Heute wissen wir, dass jede Technologie, die wir implementieren, mit dem höchstmöglichen Sicherheitsstandard versehen sein muss, um Risiken und Schwachstellen proaktiv zu begegnen.

 


Inwiefern hat der Vertrag von Vaals die Landschaft der e-Mobilität in Europa verändert?

Dr. Pfeiffer: Der Vertrag von Vaals war ein Katalysator für die e-Mobilität in Europa. Durch die Schaffung eines interoperablen Netzwerks konnten wir die Nutzung von Elektrofahrzeugen über Ländergrenzen hinweg wesentlich vereinfachen. Das hat nicht nur zu einer Steigerung der Akzeptanz von Elektrofahrzeugen geführt, sondern auch die Grundlage für weiteres Wachstum in diesem Sektor gelegt. Die anfänglichen Herausforderungen der Interoperabilität und des Roamings werden heute weitestgehend als gelöst betrachtet. Das ist ein Beweis dafür, wie effektiv unsere kollektiven Bemühungen waren.

 

Sie waren später auch Gründungsgeschäftsführer von Hubject. Wie sehen Sie die Rolle von Hubject in der Entwicklung der e-Mobilität?

Dr. Pfeiffer: Hubject hat eine zentrale Rolle gespielt, indem es die Idee des Roamings auf internationaler Ebene vorangetrieben hat. Unsere Vision war es immer, das Laden von Elektroautos so einfach zu gestalten wie die Nutzung eines Handys. Durch die Verbindung von Ladestationsbetreibern und Energieversorgern auf unserer Plattform konnten wir diese Vision Wirklichkeit werden lassen. Neben Hubject stellen auch GIREVE und e-Clearing.net eine wichtige Grundlage der Interoperabilität in der Elektromobilität dar.

 

12 Jahre später: Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage und was sind die nächsten Schritte für die e-Mobilität in Europa?

Dr. Pfeiffer: Heute sehen wir, dass die Grundlagen, die wir gelegt haben, zu einer breiten Akzeptanz und einem beeindruckenden Wachstum der Elektromobilität geführt haben. Die nächsten Schritte werden darin bestehen, die Ladeinfrastruktur weiter auszubauen, die Ladezeiten zu verkürzen, Vehicle-to-Grid übergreifend nutzbar zu machen und so die Energieversorgung für das Laden zu 100% aus erneuerbaren Quellen umzustellen. Zudem ist es wichtig, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu stärken und neue Technologien zu integrieren, um die Elektromobilität noch benutzerfreundlicher zu gestalten.

 

Ein letztes Wort an unsere Leser?

Dr. Pfeiffer: Die Zukunft der Mobilität ist elektrisch, und jeder von uns kann dazu beitragen, diese Zukunft zu gestalten. Es ist eine spannende Zeit, Teil dieses Wandels zu sein, und ich freue mich darauf zu sehen, wohin uns diese Reise noch führen wird.

 

Nach einem tiefgreifenden Einblick in die Anfänge, die aktuellen Entwicklungen und die Zukunftsaussichten der E-Mobilität in Europa, zeigt das Gespräch mit Dr. Andreas Pfeiffer deutlich, wie weit der Sektor gekommen ist und welche Möglichkeiten sich noch bieten. Die Initiative von Vaals bis hin zur Gründung von Hubject und darüber hinaus verdeutlicht die Bedeutung von Vision, Zusammenarbeit und technologischer Innovation für den Erfolg der E-Mobilität. Besonders hervorzuheben ist Dr. Pfeiffers Reflexion über die frühen Entscheidungen bezüglich der Sicherheitsstandards und das offene Eingeständnis, dass in einigen Bereichen, wie der RFID-Technologie, eine noch stärkere Betonung auf "Built-In Security" von Vorteil gewesen wäre. Sein Aufruf zur Weiterführung der Bemühungen um eine sichere, interoperable und nachhaltige E-Mobilitätslandschaft in Europa ist eine Inspiration für aktuelle und zukünftige Akteure in diesem Sektor.

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