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  • AutorenbildEmre Can Anlar

Flottenmanagement trifft Emobility: Zwei Branchenexperten im Gespräch

In einer Welt, in der die Elektromobilität immer mehr an Bedeutung gewinnt, stehen Unternehmen vor der Herausforderung, ihre Flottenmanagement-Systeme anzupassen und zu erweitern. Nicolai Woyczechowski, Geschäftsführer des DACH-Chef des finnischen Lösungsanbieters Virta Oy, und Dr. Andreas Pfeiffer, Brancheninsider und Eigentümer der Unternehmensberatung greenventors GmbH, teilen ihre Expertise und geben Einblicke in die Komplexität und die Möglichkeiten, die sich aus der Integration von Elektromobilität in Flottenmanagement-Systeme ergeben. Vor etwas mehr als einer Dekade waren beide an der Grundsteinlegung für das heutige Roaming-System "e-clearing.net & intercharge.eu" in Europa beteiligt. Dieses spielt heute eine zentrale Rolle in der Nutzung elektrifizierter Flotten. Mit ihrer weitreichenden Erfahrung und Expertise, die sie in der Entwicklungsphase dieses wegweisenden Systems gesammelt haben, sind beide in der Branche bekannt und geschätzt. In unserem Gespräch geben sie tiefe Einblicke in die aktuellen Herausforderungen und Möglichkeiten, die sich aus der Integration der Elektromobilität in Flottenmanagement-Systeme ergeben.

Dr. Andreas Pfeiffer (greenventors) & Nicolai Woyczechowski (virta Oy)

Dr. Pfeiffer, beginnen wir mit einem Überblick über die generellen Funktionen eines Flottenmanagement-Systems. Könnten Sie uns die Kernkomponenten und deren Bedeutung erläutern?

Dr. Pfeiffer: Ein Flottenmanagement-System ist ein komplexes Netzwerk, das verschiedene Aspekte des Flottenbetriebs integriert, um eine effiziente und reibungslose Verwaltung zu gewährleisten. Es beinhaltet neben weiteren Funktionen beispielsweise die Überwachung der Fahrzeugbewegungen in Echtzeit durch GPS-Tracking, die Planung und Überwachung der Fahrzeugwartung, um Ausfallzeiten zu minimieren. Darüber hinaus bieten entsprechende Management-Systeme Tools zum Fahrermanagement, zur Optimierung der Routenplanung unter Berücksichtigung aktueller Verkehrsinformationen und unterstützt die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und Sicherheitsstandards. Wichtig für den Flottenmanager sind sicherlich auch Funktionalitäten zum Management des Kraftstoffverbrauches und der Kostenkontrolle. Berichterstattungs- und Analyse-Tools zur Verbesserung der Flottenleistung und Kommunikation runden die Welt der Flottenmanagement-Systeme ab.


Vielen Dank für diesen Überblick. Er zeigt, dass Flottenmanagement-Systeme ein recht breites Spektrum an Funktionalitäten und Einsatzzwecken haben. Ich könnte mir vorstellen, dass mit der Elektromobilität Ergänzungen vorgenommen werden müssen?

Dr. Pfeiffer: Absolut, die Elektromobilität bringt eine Reihe von neuen Herausforderungen und Möglichkeiten mit sich, die eine Erweiterung der traditionellen Flottenmanagement-Systeme erfordern. Im Bereich des Kraftstoffmanagements beispielsweise erweitert sich der Fokus deutlich. Es geht nicht mehr nur um die Überwachung und Kontrolle des Kraftstoffverbrauchs, sondern auch um die Verwaltung des Verbrauchs von Ladeservices. Hier kommen sowohl öffentliche Ladestationen diverser Anbieter als auch mitarbeitereigene Ladestationen zu Hause sowie unternehmenseigene Ladeparks ins Spiel. Insbesondere bei den unternehmenseigenen Ladeparks handelt es sich um komplett neue Managementsysteme, die den Stromverbrauch und -bezug steuern und optimieren.

Wie sie sehen, bringt die Elektromobilität eine zusätzliche Ebene der Komplexität in das Flottenmanagement ein. Es erfordert eine Integration von Systemen, die nicht nur die Ladeinfrastruktur am Betriebshof, sondern auch die Möglichkeit des Ladens zu Hause bei den Mitarbeitern verwalten können.


Das klingt nach einer komplexen Aufgabe. Herr Woyczechowski können Sie uns mehr über die spezifischen Anforderungen und Lösungen für die Verwaltung von Dienstwagen im privaten Umfeld der Mitarbeiter erzählen?

Nicolai Woyczechowski: Für Dienstwagen, die im privaten Umfeld der Mitarbeiter genutzt werden, muss bei der Lösungskonzeption darauf achten werden, dass eine einfache und rechtskonforme Abrechnung der Ladevorgänge ermöglicht und gleichzeitig die Privatsphäre der Mitarbeiter respektiert wird. Gerade in Deutschland sind hier klare rechtliche Vorgaben zu beachten und es herrscht eine hoher Qualitätsanspruch in Bezug auf die Integration in bestehende Systeme und Strukturen.

Flottenmanagement-Systemen im Kontext der Elektromobilität
Visualisierung zu Flottenmanagement-Systemen im Kontext der Elektromobilität

Könnten Sie uns erläutern, wie Flottenmanagement-Systeme die Ladeinfrastruktur effektiv verwalten können, um eine optimale Nutzung der verfügbaren Energie zu gewährleisten und gleichzeitig die Kosten zu minimieren?

Nicolai Woyczechowski: Selbstverständlich. Die effektive Verwaltung der Ladeinfrastruktur ist ein zentraler Punkt im erweiterten Flottenmanagement. Hierbei geht es darum, die Betriebsbereitschaft der Fahrzeuge für den jeweiligen Einsatzzweck sicherzustellen und gleichzeitig die Kosten zu minimieren. Ein wesentlicher Aspekt ist die Echtzeit-Überwachung der Ladestationen, die es ermöglicht, den Status jeder Station zu jedem Zeitpunkt zu kennen und entsprechend zu reagieren. Automatisierte Abrechnungssysteme für die Heimladung sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil, um die Abrechnung von Ladevorgängen im privaten Umfeld der Mitarbeiter zu vereinfachen. Darüber hinaus spielen intelligente Ladesysteme eine entscheidende Rolle. Diese Systeme können den Ladevorgang dynamisch an die Netzkapazität und die aktuellen Strompreise anpassen, um eine kosteneffiziente und netzschonende Ladung zu ermöglichen.


Sie haben die Integration von erneuerbaren Energien angesprochen. Könnten Sie darauf näher eingehen und uns erläutern, wie dies die Nachhaltigkeitsziele der Unternehmen unterstützen kann?

Nicolai Woyczechowski: Die Integration von erneuerbaren Energien in die Ladeinfrastruktur ist ein weiterer wichtiger Punkt, der nicht nur die Nachhaltigkeitsziele der Unternehmen unterstützt, sondern auch eine grünere und umweltfreundlichere Mobilität ermöglicht. Flottenmanagement-Systeme müssen daher Funktionen bieten, die eine nahtlose Integration und Verwaltung der erneuerbaren Energiequellen ermöglichen. Dies kann beispielsweise durch die technische, aber auch digitale Einbindung von Solarpanels oder Batteriespeichern in das Ladesystem realisiert werden, wodurch Unternehmen ihre CO2-Bilanz faktisch verbessern können. Es ist eine spannende Zeit mit vielen Möglichkeiten für Unternehmen, ihre Flotten nachhaltiger und effizienter zu gestalten, indem sie innovative Technologien und erneuerbare Energien nutzen.


Vielen Dank für diese detaillierte Erklärung. Herr Woyczechowski, könnten Sie uns einen Überblick über die Funktionen und die Bedeutung der Softwarelösung von Virta geben?

Nicolai Woyczechowski: Die Virta-Plattform ist darauf ausgerichtet, den Einstieg und die Skalierung des Ladegeschäfts von Elektrofahrzeugen für Unternehmen zu erleichtern. Wir bieten eine standardisierte Komplettlösung, die vorkonfigurierte Ladestationen und Ladeservices umfasst. Die Plattform ermöglicht unseren Kunden, ihre Ladeinfrastruktur effizient zu verwalten, indem sie Funktionen wie Echtzeit-Überwachung der Ladestationen, automatisierte Abrechnung und Integration in bestehende IT-Systeme bietet. Darüber hinaus unterstützen wir Unternehmen mit Lösungen für Lastmanagement, um die Netzstabilität zu gewährleisten und die Energiekosten zu optimieren.


Interessant. Könnten Sie uns in diesem Zusammenhang mehr über den Virta Capacity Maximiser erzählen und wie er in diesem Kontext funktioniert?

Nicolai Woyczechowski: Selbstverständlich. Der Virta Capacity Maximiser ist ein fortschrittliches Tool, das die Ladeinfrastruktur intelligenter macht. Es nutzt Algorithmen, um die Ladevorgänge so zu steuern, dass die Netzkapazität optimal ausgenutzt wird und gleichzeitig die Energiekosten minimiert werden. Das Tool berücksichtigt verschiedene Faktoren wie die aktuelle Netzbelastung, die Anzahl der gleichzeitig ladenden Fahrzeuge und die individuellen Bedürfnisse der Fahrer, um eine optimale Ladeplanung zu erstellen. Dies stellt sicher, dass die Fahrzeuge immer ausreichend geladen sind, während gleichzeitig ein effizienter Energieverbrauch und eine Reduzierung der Spitzenlasten im Stromnetz erreicht werden.


Das klingt nach einer sehr durchdachten Lösung. Dr. Pfeiffer, wie sehen Sie die Integration solcher Funktionalitäten in die Flottenmanagement-Strategien der Unternehmen?

Dr. Pfeiffer: Die Integration intelligenter Ladesysteme ist ein wesentlicher Schritt zur Optimierung und Zukunftssicherung der Flottenmanagement-Strategien von Unternehmen. Sie ermöglichen nicht nur eine effizientere Nutzung der Anschlussleistung, sondern auch eine bessere Planung und Verwaltung der Fahrzeugnutzung.

Durch die Verwendung solcher Systeme können Unternehmen ihre Betriebskosten erheblich senken und gleichzeitig ihre Nachhaltigkeitsziele erreichen. Weiterhin ermöglichen sie auch eine bessere Integration von erneuerbaren Energien in die Ladeinfrastruktur, was ein wichtiger Schritt in Richtung einer grüneren und nachhaltigeren Zukunft ist.



Dr. Pfeiffer, könnten Sie uns erzählen, wie Sie Unternehmen bei der Auswahl von Managementsystemen unterstützt und wo sie den Unterschied machen?

Dr. Pfeiffer: Bei greenventors legen wir großen Wert darauf, dass unsere Kunden nicht nur die beste Lösung für ihre spezifischen Bedürfnisse finden, sondern auch das notwendige Wissen und die Fähigkeiten erwerben, um diese Lösungen effektiv zu nutzen. Wir unterstützen Unternehmen dabei, die richtigen IT-Lösungen auszuwählen, indem wir unsere Expertise in der Digitalisierung und im Schnittstellenmanagement einbringen. Dabei ist es uns besonders wichtig, dass das Wissen im Unternehmen verbleibt und langfristig zur Wertschöpfung beiträgt. Unser Ziel ist es, eine Unabhängigkeit und einen Know-how-Vorsprung bei der Auswahl der Systeme zu schaffen, und durch unsere Beratungsprojekte sicherzustellen, dass die Unternehmen in der Lage sind, die volle Kontrolle und das Verständnis über die implementierten Lösungen zu behalten. Letztlich ist ein IT-System aus meiner Erfahrung immer nur so gut, wie der Mensch, der davorsitzt und technikbasiert die richtigen Entscheidungen treffen muss.


Vielen Dank beiden für Ihre Expertise und die tiefen Einblicke in die Welt der Elektromobilität und Flottenmanagement. Es ist klar, dass die richtige Technologie und Expertise entscheidend sind, um in dieser schnelllebigen Branche erfolgreich zu sein.


Das Gespräch mit Dr. Pfeiffer und Herrn Woyczechowski hat deutlich gemacht, dass die Flottenmanagement-Systeme vor einer spannenden Zukunft stehen. Die Integration von Elektromobilität erweitert nicht nur das Spektrum der Flottenmanagement-Systeme erheblich, sondern eröffnet auch neue Wege zur Optimierung und Effizienzsteigerung in Unternehmen. Die Experten betonten die Wichtigkeit der Integration von erneuerbaren Energien und intelligenten Ladesystemen, um die Nachhaltigkeitsziele der Unternehmen zu unterstützen und eine grünere Mobilität zu fördern. Dabei spielen individuell zugeschnittene Lösungen und die richtige Expertise eine entscheidende Rolle, um Unternehmen auf ihrem Weg in eine nachhaltigere Zukunft zu begleiten. Es bleibt spannend zu beobachten, wie schnell sich die Technologien weiterentwickeln und welche neuen Möglichkeiten sich für das Flottenmanagement eröffnen werden.


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